Landwirte ernten Getreide, Weinbauern erzeugen Wein und Betreiber von Biogasanlagen produzieren Energie aus organischen Rohstoffen.
Ein H2-Farmer nutzt dagegen Sonne, Wind, Wasser und weitere erneuerbare Energiequellen, um daraus grünen Wasserstoff und wasserstoffbasierte Energieträger zu erzeugen.
Der Begriff „H2-Farmer“ steht dabei sinnbildlich für ein neues unternehmerisches Modell: Erneuerbare Energie wird vor Ort gewonnen, technisch weiterverarbeitet, gespeichert und anschließend als Wasserstoff, Wärme, Strom oder synthetischer Kraftstoff vermarktet.

Dafür sollen modular aufgebaute Anlagen, technische Komponenten, Planungsleistungen, digitale Steuerungssysteme, Finanzierungslösungen und langfristige Serviceangebote miteinander verbunden werden.
So soll aus einer geeigneten Fläche, einem landwirtschaftlichen Betrieb, einer Biogasanlage, einem Gewerbestandort oder einer vorhandenen Energieanlage Schritt für Schritt eine skalierbare H2-Farm entstehen.
Ein H2-Farmer ist ein unabhängiger oder gewerblicher Betreiber einer Anlage, die erneuerbare Energie für die Produktion von Wasserstoff oder wasserstoffbasierten Folgeprodukten nutzt.
Dabei muss ein H2-Farmer nicht zwangsläufig selbst Landwirt sein.
Das Modell richtet sich unter anderem an:
Entscheidend sind nicht allein die Größe des Grundstücks oder die vorhandene Technik. Von besonderer Bedeutung sind die verfügbare erneuerbare Energie, der Wasseranschluss, die Netzanbindung, die Speichermöglichkeiten, potenzielle Abnehmer und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Standortes.
Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen erzeugen erneuerbaren Strom. Dieser Strom kann direkt genutzt, in Batteriespeichern zwischengespeichert oder einem Elektrolyseur zur Verfügung gestellt werden.
Der Elektrolyseur spaltet Wasser mithilfe elektrischer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff. Wird dabei erneuerbarer Strom eingesetzt und werden die geltenden gesetzlichen Anforderungen erfüllt, kann erneuerbarer beziehungsweise grüner Wasserstoff entstehen.
Der erzeugte Wasserstoff kann anschließend:
Auf diese Weise wird aus schwankender Sonnen- und Windenergie ein speicherbarer und vielseitig nutzbarer Energieträger.
Das Herzstück vieler H2-Farmen ist die Elektrolyseanlage
Für eine vollständige Wasserstoffproduktion werden jedoch weitere technische Bereiche benötigt.
Dazu können gehören:
Je nach Standort kann die Energieversorgung durch unterschiedliche Systeme erfolgen:
Eine Kombination unterschiedlicher Energiequellen kann dazu beitragen, die Anlage über längere Zeiträume gleichmäßiger zu versorgen.
Elektrolyseure benötigen Wasser in einer definierten Qualität. Deshalb können Filteranlagen, Enthärtung, Entsalzung oder weitere Aufbereitungsschritte notwendig sein.
Die benötigte Wassermenge, die Herkunft des Wassers und mögliche Genehmigungen müssen bereits in der Standortplanung berücksichtigt werden. Auch der rechtliche Umgang mit Wasserentnahme und Wasseraufbereitung gehört zu den wichtigen Bestandteilen einer professionellen Projektentwicklung.
Im Elektrolyseur wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.
Abhängig von der geplanten Anwendung, der verfügbaren Energie und der gewünschten Anlagengröße können unterschiedliche Elektrolyse-Technologien eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise PEM-, alkalische oder Hochtemperatur-Elektrolyseure.
Nach der Erzeugung muss der Wasserstoff für die jeweilige Verwendung aufbereitet und gegebenenfalls verdichtet werden.
Anschließend kann er in geeigneten Druckspeichern, Tanks oder anderen Speichersystemen gelagert werden. Die Speicherung und der Umgang mit Wasserstoff erfordern speziell ausgelegte Bauteile, Sicherheitskonzepte und Überwachungssysteme.
Je nach Geschäftsmodell kann der Wasserstoff über Tankstellen, Trailer, Rohrleitungen oder direkte Versorgungsleitungen an Abnehmer geliefert werden.
Besonders interessant können Standorte sein, an denen Erzeugung und Verbrauch räumlich eng miteinander verbunden sind. Dadurch lassen sich Transportwege verkürzen und regionale Energiekreisläufe aufbauen.
Wird Wasserstoff beispielsweise mit einer geeigneten und möglichst nachhaltigen Kohlenstoffquelle verbunden, können synthetische Kohlenwasserstoffe hergestellt werden. Daraus lassen sich je nach Verfahren unter anderem synthetisches Methan, Methanol, Dieselersatz oder E-Kerosin erzeugen.
Für bestimmte Produkte können auch andere Ausgangsstoffe verwendet werden. In Verbindung mit Stickstoff kann Wasserstoff beispielsweise zur Herstellung von Ammoniak dienen.
Wasserstoffbasierte Kraftstoffe können vor allem dort eine Rolle spielen, wo eine direkte Elektrifizierung technisch nur schwer möglich ist. Dazu gehören insbesondere Teile der Luftfahrt, der Schifffahrt und bestimmter industrieller Prozesse. Die Herstellung benötigt jedoch große Mengen erneuerbarer Energie und sollte deshalb gezielt für geeignete Anwendungen geplant werden.
Mögliche Produkte einer erweiterten H2-Farm sind:
Welche Produkte tatsächlich sinnvoll hergestellt werden können, hängt vom Standort, von der Anlagengröße, der verfügbaren Energie, den Rohstoffquellen und den vorhandenen Abnehmern ab.
Wasserstoff und wasserstoffbasierte Produkte können zukünftig einen wichtigen Beitrag in Bereichen leisten, die nicht oder nur schwer vollständig elektrifiziert werden können.
Dazu gehören beispielsweise:
In der Industrie wird Wasserstoff bereits heute als Rohstoff und Prozessgas eingesetzt. Zukünftig kann erneuerbarer Wasserstoff unter anderem bei der Herstellung von Stahl, chemischen Produkten, Grundstoffen und synthetischen Kraftstoffen an Bedeutung gewinnen.
Elektrolyseure können erneuerbaren Strom aufnehmen und in speicherbaren Wasserstoff umwandeln. Wasserstoff kann später wieder zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt oder als industrieller Rohstoff genutzt werden.
Damit kann Wasserstoff insbesondere in integrierten Energiesystemen eine Verbindung zwischen Stromerzeugung, Industrie, Speicherung und Versorgungssicherheit schaffen.
Bei bestimmten Nutzfahrzeugen, Spezialfahrzeugen, Flotten und langen Einsatzzeiten kann Wasserstoff eine Ergänzung zu batterieelektrischen Antrieben darstellen.
Ob eine Wasserstofflösung wirtschaftlich und energetisch sinnvoll ist, muss für den jeweiligen Fuhrpark und Einsatzzweck geprüft werden.
Für Schiffe und Flugzeuge können wasserstoffbasierte Kraftstoffe wie E-Methanol, erneuerbares Ammoniak oder E-Kerosin eine wichtige zukünftige Rolle übernehmen.
Gerade in diesen Bereichen werden Energieträger mit hoher Energiedichte und geeigneten Speicher- und Transporteigenschaften benötigt.
Wasserstoff, Brennstoffzellen und synthetische Kraftstoffe können für autarke Energieversorgung, mobile Systeme, Notstromversorgung und schwer elektrifizierbare Einsatzbereiche interessant sein (dezentrale Versorgung).
In ausgewählten Quartiers-, Industrie- oder Insellösungen kann Wasserstoff Teil eines kombinierten Strom- und Wärmekonzeptes werden.
Dabei sollte immer geprüft werden, ob eine direkte Nutzung erneuerbaren Stroms, eine Wärmepumpe, ein Batteriespeicher oder eine andere Technologie effizienter ist. Wasserstoff sollte insbesondere dort eingesetzt werden, wo er einen nachvollziehbaren technischen und wirtschaftlichen Vorteil bietet.
Die Wirtschaftlichkeit einer H2-Farm basiert in der Regel nicht auf einer einzigen Einnahmequelle.
Mögliche Erlösmodelle können sein:
Besonders wichtig ist ein möglichst frühzeitig gesicherter Abnehmer. Eine technisch funktionierende Anlage ist noch kein vollständiges Geschäftsmodell.
Vor der Investitionsentscheidung müssen daher unter anderem Produktionskosten, Strombezug, Auslastung, Wartung, Speicherung, Transport, Zertifizierung, Finanzierung und Verkaufspreise realistisch betrachtet werden.
Statt erneuerbare Energie ausschließlich über weite Strecken zu transportieren, kann sie teilweise dort weiterverarbeitet werden, wo sie entsteht.
Dadurch können regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut werden:
Gleichzeitig bleibt Wasserstoff ein international handelbarer Energieträger. Größere H2-Farmen können deshalb langfristig Teil regionaler, nationaler oder grenzüberschreitender Versorgungsnetze werden.
Die Europäische Union entwickelt ihre Infrastruktur für Wasserstoff, Elektrolyseure, Speicherung und grenzüberschreitende Versorgung weiter.
Grundsätzlich kann jeder geeignete Betrieb, Flächeneigentümer, Investor oder Energieerzeuger prüfen lassen, ob sich ein Standort für eine H2-Farm eignet.
Besonders gute Voraussetzungen können vorhanden sein, wenn:
Nicht jeder Standort wird für jede Anlagengröße oder jedes Produkt geeignet sein. Deshalb beginnt jedes seriöse H2-Projekt mit einer individuellen Prüfung.